Liechtenstein

Wenn nur das Wort Liechtenstein fällt, weiß jeder sofort: Das ist doch diese kleine Steueroase inmitten der Alpen, die sich standhaft weigert, ihr Bankgeheimnis aufzuweichen. Wenn Fürst Alois dann noch auf das deutsche Steuersystem schimpft, sind die Fronten klar. Aber Liechtenstein ist mehr als nur eine Steueroase. Viel mehr.



Standort

Das kleine aber feine Land mit seinen nur 162 km² wird seit dem 13. November 1989 von Fürst Hans – Adam II und seinem Sohn und Stellvertreter Erbprinz Alois residiert.
Im Jahre 1342 entstand die Grafschaft Vaduz, die dann 1719 zum Reichsfürstentum erhoben wurde. Seit 1806, also seit nunmehr 200 Jahren, ist Liechtenstein unabhängig.

Wichtig für das Land ist der seit 1923 existierende Zollvertrag mit der Schweiz, der die offenen Grenze zwischen den beiden Staaten sowie die Verwendung des Franken als gesetzliches Zahlungsmittel regelt. 1995 trat Liechtenstein dann noch dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) bei und ist seit jeher eine konstitutionelle Erbmonarchie auf parlamentarisch-demokratischer Grundlage.

Was Liechtensteiner ebenfalls sehr schätzen, ist ein sicherer Arbeitsplatz. Diesen stellen die gut 3.500 im ansässigen Unternehmen zur Verfügung, meist Kleinbetriebe. Bekannt ist die Unternehmerlandschaft des Fürstentums vor allem durch den Werkzeugbauer Hilti (Bohrmaschinen). Dieser Konzern genießt Weltruf und ist eine Mischung aus innovativem Branchen – Koloss und geerdetem Regionalunternehmertum. Dass Liechtensteins Unternehmer gerne eigene Wege gehen, beweist das Liechtensteiner Brauhaus. Weil das importierte Bier nicht recht schmecken wollte, kramte Geschäftsführer Bruno Güntensberger die alte Bierbrautradition hervor und lieferte ab Oktober 2007 an seine Kundschaft aus.

Anders als man vermuten könnte, machen Industriebetriebe 42,2% der Wirtschaftsleistungen aus.  Die allgemeinen Dienstleistungen belaufen sich auf 38,9% und die Finanzdienstleitungen auf 17,4%. Ein nur sehr geringer Anteil von 1,5% macht die Landwirtschaft aus.



Finanzplatz

Durch die Mitgliedschaft im EWR ermöglicht es Versicherungsgesellschaften sich am gesamten Versicherungsmarkt des europäischen Wirtschaftsraumes, also auch in Deutschland und Österreich, ihre Dienstleistungen und Produkte anzubieten. Die Kunden können somit von den innovativen und flexiblen Veranlagungsmöglichkeiten profitieren.
Die Markenzeichen Liechtensteins sind eine liberale Wirtschaftspolitik, gute Firmensteuersätze und eine harmonische Beziehung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Liechtenstein bietet eine investorfreundliche Gesetzgebung mit einer stark ausgeprägten Geschäftsethik. Gleichzeitig bewahrt sich Liechtenstein seinen strikten Codex des Kundengeheimnisses, welcher sowohl den Schutz der Privatsphäre betont als auch die liberale Wirtschaftskultur.

Der Erfolg des Standortes Liechtenstein hängt ebenfalls stark mit den Vorteilen zusammen, wie der geografisch zentralen Lage und dem Zugang zu gut ausgebildeten Fachkräften aus der Bodenseeregion.



Fazit

Das Fürstentum Liechtenstein gehört zu jenen Finanzplätzen, deren Ruf zuletzt arg gebeutelt wurde. Die jüngsten Abkommen über den vereinfachten Informationsaustausch mit ausländischen Finanzämtern könnten als Einknicken, als teilweises Eingeständnis von fehlerhaftem Verhalten interpretiert werden, und sind es sicherlich zu einem gewissen Teil. Aber Liechtenstein ist auch opportunistisch. Wenn eine stärkere Einbindung in die internationale Finanzarchitektur der Preis dafür ist, weite Teile seiner Steuergesetzgebung aufrecht erhalten zu können, dann zahlt der Alpen-Winzling  diesen.